Das integrative Oberstufenrealgymnasium für Hörbeeinträchtigte

2005 startete der erste Jahrgang einer Oberstufenintegrationsklasse in der Anton-Krieger-Gasse. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Anton-Krieger-Gasse, bei dem, genauso wie in der Unterstufe, eine Gruppe von Hörbeeinträchtigten durch ein Team aus AHS-Lehrern und Hörgeschädigtenpädagogen zur Matura weiter geführt wird.
Die Oberstufenklassen bieten:
- Wirtschaftskundliches Realgymnasium mit Schwerpunkt IKT
(mehr Informationen hier) -
Unterrichtsfach Informations- und Kommunikationstechnologie
- nicht mehr als 25 SchülerInnen, davon 4 - 5 Hörbeeinträchtigte
- ein Lehrerteam aus 2 LehrerInnen begleitet die SchülerInnen in fast allen Unterrichtsgegenständen, das bedeutet dass in ungefähr 26 Unterrichtsstunden pro Woche ein zusätzlicher Lehrer mit Hörgeschädigtenausbildung anwesend ist
- Zweite Fremdsprache: Latein
- Maturaabschluss
- Funkanlage wird vom Akkustiker des Bundesinstitut für Gehörlosenbildung bereitgestellt und gewartet
- Beamer bzw. White Board, Internetanschluss in den Klassenräumen
- bei Bedarf werden Internatsplätze in Wien organisiert
Ansprechperson für Fragen ist
Frau Prof. Dorothea Novak (Email).
Im Mai 2009 schaffte die erste Gruppe von Hörbeeinträchtigten die Matura in der Anton Krieger Gasse.
Hier sind ihre Erinnerungen an die Schulzeit:
N.W.: Ich bin in die Integrationsklasse der Oberstufe der Antonkriegergasse gegangen und habe 2009 dort meine Matura gemacht. Diese Klasse wurde als gemeinsamer Schulversuch von BIG und AHS geführt.
Ich hatte bis zur siebenten Klasse zwei Integrationslehrer. Beide Lehrer waren sehr hilfsbereit und haben den behandelten Stoff mancher Fächer am PC mitgeschrieben. Dadurch konnte man immer die Mitschriften haben. Dies war eine Erleichterung, besonders für mich, da ich nicht so schnell schreiben konnte. Um beim Schreiben doch mitzukommen, habe ich so geschmiert, dass ich es manchmal selbst nicht mehr lesen konnte.
Besonders in Biologie war ich froh, eine Integrationslehrerin zu haben, da der Biologieunterricht sehr große Anforderungen stellte. Chemie und Physik fielen mir leichter, da beide meine Lieblingsfächer waren.
Für mich war das eine große Chance die Schule erfolgreich abzuschließen. Ich glaube ohne diese Unterstützung hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft.
Leider ist der Integrationslehrer für Sprachen am Ende der siebenten Klasse weggegangen. Deshalb bekamen wir für die Sprachen und Geografie drei andere Lehrer. Diese waren auch sehr nett.
M.V.: Ich bin soooo froh dass ich fertig bin. Es war eine harte Zeit für mich, auch für die Integrationslehrer. ich bin einfach erleichtert. ich kann nicht sagen, dass die Schule immer gut war. Manchmal konnte es auch ein Horror sein.
Es gab auch schöne Zeiten, z.B.: die Freistunden und quatschen, (mit Integrationslehrern)... und nix lernen müssen.
Turnen und Zeichnen waren meine Lieblingsfächer.
Janine H.: Die Schule war ganz okay, nur es gab halt ein paar Lehrer da hatte ich Probleme. Ehrlich gesagt , es war sehr anstrengend für mich, weil wir gehörlos sind und wir mussten viel mehr arbeiten als die Hörenden.
Es gab natürlich auch schöne Zeiten in der Schule, wo wir viel Spaß in der Stunde hatten z.B. Turnen und Zeichnen und Deutsch manchmal, es kam eigentlich immer auf die Stunde an, ob es uns interessierte.
Aber wir waren sehr froh dass wir Unterstützungslehrerhatten, ohne die wären wir vielleicht nicht weitergekommen
Kommentare der Schüler der 8c 2009/2010:
Amadea N. : „Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten mit dem Sachverständnis und beim Anhören englischer Texte im Unterricht. Dann habe ich sofort Hilfe bei Stützlehrern gefunden und sie waren immer für dich da! Das hat mich zu einem besseren Punkt hingebracht. Ich habe danach ein gutes Verhältnis zu den Mitschülern bekommen und endlich verstanden worüber sie im Unterricht sprachen!“
L.B. : „Es war nicht immer einfach für mich, dadurch dass wir die erste Oberstufenintegrationsklasse waren und manche Lehrer nicht wussten wie man mit Schwerhörigen umgehen muss. Es ist oft ein Stützlehrer anwesend den man auch befragen kann und das hat einen Vorteil! Aber gewisse Lehrer die uns schon ein paar Jahre haben können immer noch nicht mit Hörbeeinträchtigten umgehen und das ist dann auch total schwierig mitzukommen im Unterricht und wir können ja auch nicht ständig den Stützlehrer fragen worum es geht, weil wir dann wieder den nächsten Teil verpassen. Aber andere Lehrer wiederum achten sehr darauf (z.B. in Deutsch, Geschichte, Philo und Bio). Daher hat man auch meiner Meinung mehr Spaß daran, dran zu bleiben.
Patrick M. : „Die Jahre an der Anton Krieger Gasse waren mit Abstand die interessantesten Schuljahre in meinem Leben. Angefangen von der supertollen Klassengemeinschaft bis hin zu verständnisvollen Lehrern habe ich an dieser Schule viel Unterstützung gefunden. Ab und zu ist der Stoff zwar schwer, mit Hilfe der Stützlehrer gehen diese kleinen Barrieren aber schnell weg. Hier hat man gar nicht sofort gemerkt, dass es eine Integrationsklasse ist – jeder wurde von jedem so akzeptiert wie er ist – es gab keine sprachlichen und kulturellen Barrieren. Ich bin stolz, ein Teil von etwas Großem gewesen zu sein und kann diese Schule nur wärmstens weiterempfehlen.“
Max V. : „Als ich in die Oberstufe in der Anton-Krieger-Gasse kam, war das für mich eine große Umstellung. Vorher war ich im BIG. Weil der Stoff der Fächer hier viel größer war und schwieriger. Ich habe sofort viele gute Schulfreunde gefunden. Ein paar ProfessorInnen haben gleich in der 5. Klasse verstanden, welche Probleme ich mit der Sprache habe. Aber es gab leider ein paar LehrerInnen, die länger brauchten. Es war für diejenigen LehrerInnen und für mich ein bisschen schwierig. In ein paar Gegenständen hatte ich Probleme, aber die Stützlehrerinnen waren immer da und konnten meistens recht gut erklären.“
Projekte der letzten Jahre:
5c 2005/2006: Kennenlerntage in Bad Goisern
5c 2006/2007: Kennenlerntage in Bad Goisern
6c 2007/2008: Theaterprojekt „Der Ja-Sager“, Aufführung während der Kulturtage der Anton Krieger Gasse
Sommersportwoche in Faak am See
7c 2007/2008: Sprachwochen in den USA
7c 2008/2009: Fächerübergreifende Projektwoche in Sizilien
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